Camerata Classica
Camerata Classica

Camerata Classica

Klassik. Nähe. Intensität.

Musik, die nicht nur gehört, sondern erlebt wird.

Camerata Classica

Die Camerata Classica vereint ausgewählte Wiener Kammermusiker:innen in einem Ensemble, das sich der Pflege und lebendigen Vermittlung der großen europäischen Musiktradition verschrieben hat. Mit mehr als 100 Konzerten pro Jahr gehört sie zu den regelmäßigen Klangkörpern eines der renommiertesten Konzerthäuser Europas.

Im Mittelpunkt des Repertoires stehen die Meisterwerke der Wiener Klassik von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Darüber hinaus widmet sich das Ensemble bedeutenden Werken des Barock und der Romantik und schlägt Brücken zwischen musikalischen Epochen, Traditionen und Klangwelten.

Seit Jahrhunderten zieht Wien herausragende Musiker:innen aus aller Welt an. In dieser Tradition verbindet die Camerata Classica höchste künstlerische Qualität mit der unverwechselbaren Wiener Musikkultur – und macht sie für ein internationales Publikum ebenso erlebbar wie für das musikbegeisterte Wiener Publikum.

Journal

09 Okt 2026

Eine vergessene Sinfonie wird wieder hörbar

Wie ein Stimmensatz aus dem 19. Jahrhundert in der Bibliothek des Evangelischen Stifts Tübingen zur Partitur wurde – und den Weg zu Franz Danzis österreichischer Erstaufführung ebnete.

Auf der gezielten Suche nach Repertoire für unsere kommende Saison bin ich im Archiv der Bibliothek des Evangelischen Stifts Tübingen auf einen Stimmensatz gestoßen, der seit Jahrzehnten kaum jemand in der Hand gehabt haben dürfte: die Sinfonie C-Dur op. 25 von Franz Danzi, gedruckt 1803 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Ich ließ das Material digitalisieren, um damit arbeiten zu können.

Danzi ist heute vor allem als Wegbereiter der Romantik und als Förderer des jungen Carl Maria von Weber bekannt – seine eigenen sinfonischen Werke stehen dagegen fast vollständig im Schatten. Gerade das machte den Fund so reizvoll: ein Werk, das zwischen der Mannheimer Schule, in der Danzi aufgewachsen ist, und der Wiener Klassik vermittelt, mit der wir uns als Ensemble intensiv beschäftigen.

Musikalisch hat die Sinfonie einiges zu bieten: Wie Mozarts „Jupiter" steht sie in C-Dur und verarbeitet im vierten Satz eine ausgearbeitete Fuge. Ihr Schluss mit festlichen Trompeten-Fanfaren erinnert dabei verblüffend an das Ende der „Jupiter"-Sinfonie selbst – eine Nähe zur Wiener Klassik, die hörbar wird, ohne dass Danzi sie kopiert.

Was in Tübingen lag, war keine Partitur – sondern ein vollständiger Satz von Einzelstimmen. Um die Sinfonie überhaupt wieder spielbar zu machen, musste daraus erst eine Partitur entstehen.

Genau das war die eigentliche Arbeit der vergangenen Monate: Stimme für Stimme in eine gemeinsame Partitur zu übertragen, die Instrumentierung zu prüfen und dort, wo Kopisten sich im Druck oder in Abschriften geirrt hatten – falsche Vorzeichen, verrutschte Taktstriche, vereinzelt fehlende Übergänge – die Fehler zu identifizieren und zu korrigieren. Eine Editionsarbeit, die viel mit Detektivarbeit zu tun hat: Jede Unstimmigkeit zwischen den Stimmen wirft die Frage auf, ob es sich um einen Fehler, eine bewusste Variante oder schlicht um Verschleiß der Quelle handelt.

Soweit ich es beurteilen kann, wurde die Sinfonie bisher noch nie in Wien oder Österreich aufgeführt. Am 20. Oktober 2026 darf sie nun im Großen Saal des Musikvereins endlich in diesem würdigen Rahmen dem Wiener Publikum präsentiert werden – als österreichische Erstaufführung und als Ergebnis einer Editionsarbeit, die mir sehr am Herzen liegt.

In den kommenden Wochen möchte ich an dieser Stelle regelmäßig aus der Probenarbeit berichten – mit Eindrücken, Bildern und den kleinen Entdeckungen, die sich oft erst am Pult ergeben.