Camerata Classica
Camerata Classica

Saison

Camerata Classica

Saison 2026/27

Die Saison 2026/27 der Camerata Classica spannt einen Bogen vom Spätbarock bis zur Frühromantik und folgt dabei einem roten Faden: Sie zeichnet die Entwicklung musikalischer Ausdruckskraft zwischen klassischer Form und leidenschaftlicher Zuspitzung nach. Im Zentrum steht die Wiener Klassik mit Werken von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, ergänzt durch Vivaldis barocke Klangmalerei, frühromantische Werke von Schubert und Mendelssohn sowie Kompositionen von Johann Christian Bach und Franz Danzi. Ein besonderes Programmhighlight ist die österreichische Erstaufführung von Franz Danzis Sinfonie C-Dur (1803) – eine seltene Gelegenheit, ein Werk der Mannheimer Schule im Konzertsaal zu erleben.

Sturm und Drang – Musik zwischen Kontrast und Aufbruch

Dramatische Molltonarten, schroffe Kontraste und drängende Rhythmen prägen die musikalische Sprache des Sturm und Drang. Johann Christian Bach, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart zeigen, wie sich im späten 18. Jahrhundert eine neue, unmittelbare Ausdruckskraft in der Instrumentalmusik durchsetzte. Bachs Sinfonie in g-Moll, op. 6 Nr. 6, zählt zu den eindringlichsten Werken seines Schaffens. Haydns Sinfonie Nr. 39 in g-Moll fällt durch ihre ungewöhnliche Besetzung mit vier Hörnern auf, während Mozarts Sinfonie Nr. 25 in derselben Tonart jugendliche Energie mit einer beinahe schicksalhaften Dramatik verbindet.

Haydn – Sinfonien der Krisenjahre

Um 1772 entstehen zwei Sinfonien, die zu den formal und emotional gewagtesten Werken Haydns zählen. Die Sinfonie Nr. 44 in e-Moll, genannt Trauer-Symphonie, verbindet strenge kontrapunktische Arbeit mit tiefer emotionaler Zurückhaltung. Die Sinfonie Nr. 45 in fis-Moll, die Abschieds-Symphonie, ist berühmt für ihren ungewöhnlichen Schluss, bei dem die Musiker nacheinander das Podium verlassen – ein Werk, das musikalische Struktur und szenische Geste auf einzigartige Weise verschränkt.

Vivaldi – Die vier Jahreszeiten

In Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten wird die Natur zum musikalischen Gegenstand: Vogelgesang, Gewitter, Tanz und winterliche Kälte finden ihre klangliche Entsprechung. Die vier Violinkonzerte zählen zu den zentralen Werken des Barock und verbinden virtuose Solopassagen mit einer ausgeprägten klangmalerischen Anlage. Der Frühling ist geprägt von Vogelrufen und festlichen Melodien, der Sommer von drückender Hitze und einem aufziehenden Gewitter, der Herbst von tänzerischer Bewegung, der Winter von Kälte und scharf konturierten Kontrasten. Wenige Werke veranschaulichen so unmittelbar, wie Musik Bild und Empfindung zueinander in Beziehung setzen kann.

Wiener Klassik im Wandel

Die 1780er Jahre zeigen Haydn und Mozart auf dem Weg zu größerer formaler Reife. Haydns Sinfonie Nr. 81 in G-Dur und seine Sinfonie Nr. 88, ebenfalls in G-Dur, verbinden kompositorische Souveränität mit spielerischer Leichtigkeit. Mozarts Sinfonie Nr. 29 in A-Dur zählt zu den elegantesten Werken seiner Salzburger Zeit, während sein Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur, das sogenannte Türkische, mit seinem folkloristisch gefärbten Mittelteil zu den beliebtesten Konzerten des klassischen Repertoires gehört. Das Andante für Flöte und Orchester in C-Dur ergänzt das Programm um eine kammermusikalisch geprägte, lyrische Miniatur. Diesem Umfeld ist auch Franz Danzis Sinfonie C-Dur (1803) zuzuordnen: Ihre österreichische Erstaufführung eröffnet einen Blick auf einen Komponisten, der zwischen Mannheimer Schule und Wiener Klassik vermittelte.

Mozart – Zwischen Dramatik und formaler Vollendung

Mozarts Sinfonien Nr. 25, KV 183 und Nr. 40, KV 550, beide in g-Moll, gehören zu seinen ausdrucksstärksten Werken in dieser Tonart. Die frühe Sinfonie KV 183 ist von jugendlicher Unruhe und dramatischer Energie geprägt, während die spätere KV 550 eine vertiefte, spannungsreichere Ausdruckswelt entfaltet. Die Sinfonie Nr. 41, die sogenannte Jupiter-Sinfonie, zeigt schließlich Mozarts Fähigkeit, melodischen Reichtum mit formaler Klarheit und kunstvoller Stimmführung zu verbinden.

Beethoven – Ausdruck und musikalische Konsequenz

Ludwig van Beethovens Fünfte Sinfonie zählt zu den prägenden Werken der klassischen Musik. Aus einem knappen, unverwechselbaren Motiv entwickelt sich ein weit gespannter musikalischer Bogen, getragen von Spannung, rhythmischer Konsequenz und dem Weg von c-Moll nach C-Dur. Einen anderen Zugang zu Beethovens Tonsprache eröffnet die Romanze für Violine und Orchester in F-Dur: Ihre lyrische Melodik und der intime Dialog zwischen Solovioline und Orchester zeigen eine gesanglich geprägte Ausdrucksweise.

Schubert – Die "Tragische"

Franz Schuberts Sinfonie Nr. 4 in c-Moll, von ihm selbst mit dem Beinamen Tragische versehen, entsteht 1816 im Umfeld der Wiener Klassik, weist aber zugleich auf eine neue, romantisch geprägte Ausdruckswelt voraus. Dramatische Molltonarten und eine dichte thematische Arbeit verbinden sich mit einer für Schubert charakteristischen melodischen Erfindungsgabe.

Mendelssohn – Frühe Werke

Der Sinfoniesatz in c-Moll (1823) und das posthum veröffentlichte Violinkonzert in d-Moll (1822) führen in Felix Mendelssohns frühe Schaffensjahre. Beide Werke lassen einen jungen Komponisten erkennen, der klassische Formprinzipien bereits mit melodischer Erfindungskraft und einer ausgeprägten Klanggestaltung zu verbinden weiß.